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Warum nennt man eine sehr, sehr dicke Scheibe getoastetes Brot einen "Texas Toast"?

Weil in Texas alles groesser ist!

[Texas Fahne] Texas ist flaechenmaessig der zweitgroesste Staat, nur Alaska hat mehr Flaeche. Wenn man Texas im Osten, von Louisiana kommend, bei Beaumont betritt, wieviele Kilometer muss man fahren bis man im Westen, bei El Paso, Texas wieder verlaesst? Etwa 1,330 km. Die Nord-Sued Spanne ist auch ungefaehr so lang.

      Spitzname: The Lone Star State
      Flaeche: 691.000 Quadratkilometer
      Flagge: Blau-weiss-rot mit einem Stern, dem Lone Star
      Hauptstadt: Austin
      Staatsblume: Bluebonnet
      Staatsbaum: Pecan (Nussbaum)
      Staatsvogel: Mockingbird (Spottdrossel)
      Staatsmotto: Friendship (Freundschaft)

Ein Wort zum Motto:

    Vor etlichen Jahren war geplant, die Autokennzeichen mit dem Aufdruck "Der Freundschaftsstaat" zu versehen. Da regten sich die Texaner aber gewaltig auf, denn soooo einen freundlichen Eindruck wollen sie doch nicht erwecken. Der Plan wurde nicht durchgefuehrt.

Weshalb das Gerede von den sechs Flaggen?

    Die "Six Flags over Texas" sind ein Hinweis auf die verschiedenen Laender, in deren Besitz Texas war (ist). Ab 1519 war Texas eine spanische Kolonie. Dann kam der Franzose La Salle angesegelt und nahm Texas fuer Frankreich in Anspruch. Das dauerte aber nur 5 Jahre. La Salle wurde ermordet und Texas gehoerte wieder an Spanien. Nach der Unabhaengigkeit der Mexikaner war Texas eine mexikanische Provinz. Dann kaempften die Texaner erfolgreich gegen Mexiko und gruendeten eine selbstaendige Republik. Anschliessend trat Texas freiwilling den Vereinigten Staaten bei. Und waehrend des Buergerkrieges schloss sich Texas der Confederation an. Und nun weht wieder die US Flagge ueber Texas.

    Ein grosser Vergnuegungspark mit Niederlassungen in verschiedenen Staedten nennt sich stolz "Six Flags over Texas".

Der texanische Vater:

    Stephen F. Austin wird "Father of Texas" genannt. Er erhielt die Genehmigung (zuerst von Spanien, dann von Mexiko), Siedler nach Texas zu bringen. Diese sollten eine Bufferzone gegen die Indianer bilden. Austin siedelte also in den 1820er Jahren etwa 300 Familien aus den US in Texas an. Alle Familien waren natuerlich Anglos.

Die texanischen Helden:

    Den neuen Siedlern gefiel es anscheinend nicht, Mexiko untertan zu sein. Bereits im Jahre 1836 erklaerten sie die unabhaengige Republik von Texas. Daraufhin kam der mexikanische Praesident und General Santa Ana mit seinen Truppen anmarschiert.

    Santa Ana erreichte San Antonio. Die Leute fluechteten, aber etwa 189 Maenner (Zahlenangabe reicht von 180 bis 200) beschlossen, sich den 5.000 mexikanischen Soldaten zu stellen und bis zum Tode zu kaempfen. Sie verschanzten sich im Alamo, einer Mission mit Kirche und etlichen dazugehoerigen Gebaeuden, alles von einer Mauer umgeben. Der Kampf dauerte 13 Tage, aber am 6. Maerz 1836 war kein einziger Texaner mehr am Leben. Zwei der beruehmtesten Alamo-Helden sind Davy Crockett und Jim Bowie. Beide stammten aus Tennessee.

    Nun ruhte alle Hoffung auf Sam Houston. Aber der zog sich mit seinen 900 Maennern zurueck, und zog sich zurueck und zurueck, verfolgt von Santa Ana. Schliesslich erreichte er San Jacinto, das ist dort, wo heute die Houston Raffinerien stehen. Nun, ein ungeschriebenes Gesetz verlangte, dass die Schlachten in der Frueh beginnen. Sam Houston griff am Nachmittag an, als die Mexikaner ihre Siesta hielten. Mit dem Schlachtruf "Remember the Alamo" fielen die Texaner ueber die schlafenden Mexikaner her. Es dauerte kaum 30 Minuten, bis die Uebermacht vernichtend geschlagen war. Das war am 21. April 1836.

    Texas war nun eine unabhaengige Republik, und blieb es bis zum freiwilligen Beitritt in die US im Jahre 1845.

Texanischer Humor:

    Ein Englaender, ein Franzose, ein Mexikaner und ein Texaner sitzen in einem Flugzeug. Ploetzlich gibt es Schwierigkeiten, und sie muessen Ballast abwerfen. Sie schmeissen die Koffer raus. Das Flugzeug ist immer noch zu schwer. Da steht der Englaender auf und sagt, dass er sich fuer sein Vaterland opfern wird. Er ruft: "Long live the Queen" und stuerzt sich aus dem Flugzeug. Das Flugzeug ist immer noch zu schwer. Da steht der Franzose auf, sagt dass er sich fuer sein Vaterland opfern wird, ruft "Liberte" und stuerzt sich hinaus. Das Flugzeug ist immer noch zu schwer. Da steht der Texaner auf, packt den Mexikaner, stosst ihn aus dem Flugzeug raus und ruft "Remember the Alamo".

Einige bekannte Staedte:

    Dallas liegt etwa 400 km noerdlich von Houston und verdankt ihren Ruhm wohl der Fernsehserie und J.R. Ewing. Derzeit ist das Haus der Ewing's eine Touristenattraktion. Vor ein paar Jahren besuchten wir es mit Oma. Eine traurigere Seite von Dallas ist, dass JFK dort ermordet wurde. "Big D", wie Dallas genannt wird, und Houston sind Erzrivalen.

    San Antonio liegt etwa 300 km westlich von Houston. Es wird vor allem wegen der Ueberreste des Alamo's besucht. Ausserdem gibt es den beruehmten "Riverwalk", ein kleiner Bach, an dessen Ufer man entlangspazieren kann. Ein Wachsfigurenkabinett, IMAX Theater, Shopping Mall, und etliche erhaltene Missionen runden aus, was den Besuchern geboten wird.

    Austin liegt etwa 300 km nord-westlich von Houston. An sich ist Austin eine kleine und eher verschlafene Stadt. Es ist die Hauptstadt und Sitz der University of Texas mit etwa 50.000 Studenten. Seltsam, die Landesregierung hat aber nur jedes 2. Jahr Sitzungen.

    Galveston liegt nur 80 km von Houston am Golf von Mexiko. Galveston bemueht sich sehr, ein Paradies fuer Familienurlauber zu werden. Zusaetzlich zu Strand und Meer gibt es "Moody Gardens", ein Komplex mit einer riesigen Regenwaldpyramide, Museum und IMAX Theater. Architekturliebhaber koennen viele alte Bauten bewundern. Beruehmt ist auch der Mardi Gras im Fasching. Da werden Perlenketten unter das Volk geworfen, nein, die Ketten sind leider nicht echt. 2002 fuhren wir mit Oma zum Mardi Gras. Sie machte es den Leuten nach und rief aus vollem Halse "For me, for me". Es war einfach unglaublich, wieviele Ketten sie ergatterte.

    Amarillo und Lubbock liegen ganz im Norden, in der "Panhandle", dort schneit es sogar manchmal. Midland liegt im "Permian Basin" mit Erdoelfunden.

Kulinarische Genuesse:

    Die einheimische texanische Kueche ist von mexikanisch/indianischen Einfluessen gepraegt. Paprikaschoten und Pfefferoni gibt is in verwirrender Vielfalt. (Pepperoni ist uebrigens eine Wurst. Pfefferoni wird mit hot pepper uebersetzt). "Tex-Mex" ist beruehmt und sehr beliebt. Mir faellt auch auf, dass Bohnen, Maiskoerner und Maisgriess ziemlich oft verzehrt werden und auch in guten Restaurants auf dem Speisezettel stehen. Mais wird hier corn genannt, was die ersten Einwanderer anfangs ein wenig verwirrte. Es buergerte sich deshalb ein, den Mais als "Indian corn" zu bezeichnen. Das spiegelt sich noch in alten Rezepten wieder. Zum Beispiel ist "Indian Pudding" ein suesser Polenta.

    Einen Texaner ohne Barbecue kann man sich nicht vorstellen. Es gibt so viele Schreibweisen wie Rezepte: Bar-B-Que, Bar-B-Q, B-B-Q, BBQ, usw. Gegrillt wird fuer kurze Zeit mit grosser Hitze, also ein Steak oder ein Hamburger. Ein Barbecue dagegen dauert lange Zeit bei schwacher Hitze, ist also bestens geeignet fuer grosse Fleischstuecke; aber Henderl wird auch oft verwendet. Meistens wird das Fleisch vorher mit einer Gewuerzmischung eingerieben. Eine BBQ Sauce wird kurz vor dem Garwerden aufgepinselt. Manche BBQ Experten sind der Meinung, dass die Sauce erst beim Servieren dazukommen soll.

    Ein anderes beruehmtes Gericht ist Chili, was ich das texanische Gulasch nenne. Die meisten Leute verwenden Zwiebel, Knoblauch, Kuemmel, Faschiertes, Chilipulver (das ist eine scharfe Paprikamischung), Paradeismark und Wasser. Wenn man noch Bohnen hineinmischt heisst es Chili con Carne. Es gibt so viele Chilirezepte wie Koeche.

    Ein Chicken Fried Steak ist wohl das einzige Gericht, welches einem Schnitzel Nahe kommt. Es handelt sich um ein Stueck Rindfleisch, in Backteig getaucht und in Fett herausgebacken. Den seltsamen Namen hat es erhalten, weil es wie ein Backhendl zubereitet wird.

    Kochen braucht man wirklich nicht mehr, und viele Frauen haben wohl kaum die Zeit dazu. Es gibt Dosen, Eingefrorenes, und dann rein in den Mikrowellenherd. Lebensmittelgeschaefte bieten immer mehr frisch gekochte Speisen an, welche man auf dem Nachhauseweg von der Arbeit rasch kaufen kann. Viele Lokale machen ein tolles Geschaeft mit Essen zum Mitnehmen. Man kann auch schnell beim McDonald's vorbeifahren und ein paar Hamburger kaufen. Und Pizza wird telefonisch bestellt und gratis zugestellt. Sehr praktisch.

Schulwesen:

    In der US gibt es keinen einheitlichen Lehrplan. Jeder Staat bestimmt ziemlich eigenmaechtig, was unterrichtet wird. Sogar die verschiedenen Schulbezirke treffen oft eigenmaechtige Entscheidungen. Manchmal findet man Unterschiede innerhalb eines einzigen Schulbezirkes.

    Vor etlichen Jahren wurden in Texas staatsweite Pruefungen eingefuehrt. Diese ueberpruefen ein vom Staat gefordertes Mindestwissen(!), sind also mehr ein Test der Schulen und Lehrer, nicht der Kinder. Ruhm fuer die Lehrer und Direktoren gibt es nur dann, wenn ein grosser Prozentsatz der Schueler das Mindestwissen beherrscht. Es besteht also kein Ansporn fuer den Lehrer, den Kindern zusaetzlich zum Mindestwissen etwas beizubringen. Traurig, aber verstaendlich.

    Finanziert werden die Schulen vorwiegend von Steuern, welche den im Einzugsbereich liegenden Haeusern und Grundstuecken auferlegt werden.

    Der SAT Test ist eine Art Uni Aufnahmepruefung, welche aus einem Mathes- und einem Englischteil besteht. Die hoechste erreichbare Punktezahl ist 1600. Der SAT ist einheitlich in ganz Amerika, also wirklich der einzige Mass-Stab, mit dem man einen Schueler von New York City mit z. B. einem von Alaska vergleichen kann.

    Kindergarten und 12 Jahre sind Pflicht. Die 12 Jahre werden so eingeteilt: 1. bis 5. Klasse ist elementary school. 6. bis 8. Klasse ist middle school, manchmal auch intermediate oder junior high genannt. 9. bis 12.Klasse ist high school. Die Notenbewertung ist alphabetisch von A bis F, wobei A die beste Note ist.

    In der high school werden die Faecher mit verschiedenen Schwierigkeitsstufen unterrichtet, was man etwa mit A-Zug, B-Zug, usw. vergleichen kann. In der George Bush High School, welche Fred besucht, gibt es drei Schwierigkeitsstufen: "Academic" ist die leichteste Stufe, "Advanced" ist mittelschwer, und "Honor" ist am schwierigsten. Um den Schwierigkeitsgrad zum Ausdruck zu bringen, werden den Noten gewisse Punkte zugeteilt. Ein "A" in einem "Academic" Gegenstand erhaelt 4 Punkte, ein "A" in einem "Advanced" Gegenstand 5 Punkte, und ein "A" in einem "Honor" Gegenstand 6 Punkte. Man zaehlt die Punkte zusammen und dividert durch die Anzahl der Gegenstaende. Dadurch erreicht man eine Durchschnittsnote, GPA (grade point average) genannt. Mit Hilfe des GPA kann man leicht eine Klassenrangordung herstellen. Der mit dem hoechsten GPA ist die numero uno. Die Rangordung spielt, neben dem SAT, eine grosse Rolle bei der Universitaetsaufnahme.

    Aber in Texas gibt es nun ein neues Gesetz. Bei oeffentlichen Universitaeten darf nur noch die Rangordnung bei der Aufnahme in Betracht gezogen werden. Die besten 10 % der ausstehenden Klasse haben das Recht zu matrikulieren. Der SAT spielt keine Rolle mehr. Weshalb diese neue Regelung? Der Zweck ist, Minderheiten (also Schwarzen und Mexikanern) den Zugang zur Uni zu erleichtern, denn angeblich haben diese bei der SAT Pruefung immer nur schlechte Leistungen erbracht. Hmm, sie sitzen 12 Jahre lang in den gleichen Schulen, in den gleichen Klassenzimmern, mit den gleichen Buechern und den gleichen Lehrern wie die Weissen, und dann tun sie sich schwer beim SAT? Die University of Michigan hat allen schwarzen Bewerbern automatisch 200 Punkte zu deren SAT Ergebnis dazugerechnet. Der Oberste Gerichtshof hat dies nach einer Beschwerde verboten. Geaendert hat sich aber nichts, Schwarze und Mexikaner werden immer noch bei der Uni Aufnahme bevorzugt behandelt. Das trifft auch bei der Stipendienvergabe zu.

    Seltsamerweise werden Asiaten (Inder, Vietnamesen, Koreaner, usw.) nicht als Minderheiten behandelt. Und diese Schueler sind immer an der Spitze. Da gibt es kein Jammern, dass die englische Sprache zu kompliziert sei; da wird nicht verlangt, dass der Lehrer Hindu oder Mandarin spricht; und da gibt es auch kein Problem mit dem SAT. Da zoegern aber auch die Eltern nicht, einen zweiten oder sogar dritten Posten anzunehmen, um dem Kind das Studieren zu ermoeglichen. Waehrend des Zweiten Weltkrieges wurden amerikanische Staatsbuerger (!) japanischer Herkunft verhaftet und in Konzentrationslager gesteckt. Da wurden die Familien auseinandergerissen. Die Frau wusste nicht, wo der Mann war, und die Kinder wussten nicht, was mit den Eltern geschehen war. Halten die heute die Bettelhand aus, weil ihnen vor 60 Jahren grosses Unrecht geschah - nein. Es sind immer nur die Schwarzen und die Mexikaner, und eigentlich muss man die derzeit African-American und Hispanic nennen. Selbstverstaendlich darf man nicht alle Angehoerigen einer Gruppe in stereotypischer Weise in einen Topf werfen, aber gewisse Trends bemerkt man eben.

    Weil ja nicht jeder studieren will, und weil es keine Lehre gibt, haben die Schueler in der high school auch die Moeglichkeit, sogenannete berufsbildende Gegenstaende zu belegen. Einige Beispiele solcher Gegenstaende sind Hauswirtschaft, Blumendesign, Kindererziehung, Keramik, Fotografie, Komputerhandhabung, Innendekoration, und Gaertnerei, usw. - aber nichts kann eine wirkliche Lehre ersetzen.

    Laut Gesetz darf man ab 16 arbeiten. Viele Schueler hoeren dann mit der Schule auf und suchen einen Arbeitsplatz. Die Behoerden gehen diesen Faellen nicht nach, obwohl eigentlich noch Schulpflicht herrscht.

    Und weil in Texas alles groesser ist, hier ein paar Zahlen: Bush High School wird von beinahe 2.000 Schuelern besucht. Fred's Jahrgang fing mit 500 Schuelern die 9. Klasse an - bin schon gespannt, wie viele es bis zur 12. schaffen, etliche Aussteiger gibt es ja immer.

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